Farbe bekennen!

Der Fall Sauerland

Farbe bekennen!
Macht braucht Verantwortung, Kommunikation und Fingerspitzengefühl

Die Entscheidung steht kurz bevor – wird der Oberbürgermeister von Duisburg Adolf Sauerland vom Volk abgewählt und bekommt er damit die Antwort auf sein, in den Augen vieler, rücksichtsloses Verhalten? Waren Schweigen, Festhalten an Macht und Position und Aussitzen erfolgreich? Oder schadet sein Auftreten und Benehmen am Ende sich und der CDU?

 

Fälle wie den Fall Sauerland gibt es viele – in der Politik, wie in der Wirtschaft. Er steht als Beispiel für Führungspersonen, die keine wirkliche Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und sich nicht ihrer Position gemäß verhalten. Wo Menschen sind, werden Fehler gemacht. Das passiert. Viele Führungspersonen gestehen ihre Fehler nicht ein, tragen nicht nach besten Wissen und Gewissen Sorge, dass ihr Verantwortungsbereich reibungslos läuft und schieben die Zuständigkeit von sich fort. Sie beharren auf ihrem Recht, geben zu, was bewiesen ist und kleben an ihrem Stuhl aus Angst, Macht, Geld und Prestige zu verlieren.

Und es geht nicht nur um das betreffende Individuum. Es geht auch um die Folgen für die komplette Organisation – ob Partei oder Unternehmen. Die Menschen in diesen Organisationen sind verunsichert, das einstige Vorbild bzw. die Leitfigur wird unglaubwürdig, Motivation wird zur Demotivation; die Institution ist führungslos.

Schon Jack Welch wusste: „Nehmen Sie stets an, dass die Vorwürfe stimmen und dass Sie alles wieder ins Lot bringen müssen". Diesen Grundsatz vermitteln die Partner Dieter Weichl und Jörg Hawlitzeck von Business Culture in Köln. Sie begleiten seit Jahren erfolgreich Unternehmen bei der Entwicklung, Änderung und Umsetzung von Unternehmenskultur. „In dem Moment, wo Fehler gemacht worden sind, ist es wichtig die Situation zu akzeptieren", rät Weichl. Menschen ändern sich, sobald sie Macht bekommen. Besonders dann gilt es, auf dem Teppich zu bleiben, das Problem anzunehmen, die Konflikte zu lösen und diese nicht von sich weg zu schieben. Hand aufs Herz, sobald liebgewonnene Privilegien im Spiel sind, mag es einfacher sein, auf andere zu zeigen, als mit Bedacht Entscheidungen zu treffen.

Damit die betroffene Organisation als Ganze gestärkt aus dieser Situation hervorgeht, ist eine offene Kommunikation das A und O. Die Partner von Business Culture empfehlen, den Sachverhalt mit allen zur Verfügung stehenden Ressourcen zu analysieren und gemäß zu agieren. Der Verursacher darf sich fragen: „Liegt der Fehler in meiner Verantwortung?" „Waren meine Vorgaben eindeutig und war die Kommunikation der Leitlinien tadellos?" „Wäre dies eine positive Situation, wie würde ich mich verhalten?" Dabei bedeutet Verantwortung übernehmen NICHT, dass derjenige Schuld hat, sondern dass er versteht, dass er gewährleisten muss, dass die Situation wieder ins Lot kommt.

So oder so sind klare Konsequenzen zu ziehen – auch persönliche und auch ggf. Rückzug, wenn das bedeutet, dass damit der Organisation am besten geholfen ist. „Wir empfehlen keine Bauernopfer, sondern eindeutige Entscheidungen in Bezug auf Person und Sache", unterstreicht Hawlitzeck und bestätigt: „Unternehmen, die im Vorfeld plausible Regeln hinsichtlich der Werte und der Unternehmenskultur aufgestellt haben, bleiben in solchen Krisen eher auf Kurs." Herrn Sauerland hätten sie empfohlen, den Hut zu nehmen, sich zu entschuldigen und mit Würde abzutreten, statt wie vielleicht passieren wird, mit Schmach vom Thron gestoßen zu werden. Das wäre besser für ihn und für die Partei.

Fazit: Sobald man in unangenehmen Situationen – ohne Angst vor Machtverlust – die Verantwortung aktiv übernimmt, wird die Führungsperson zur Führungspersönlichkeit.