Kurt Beck, der Nürburgring und Unternehmenskultur

 

Kurt Beck, der Nürburgring und Unternehmenskultur

Was hat Kurt Beck und der Nürburgring mit Unternehmenskultur zu tun? Aus meiner Sicht, eine ganze Menge. Was passiert nämlich oftmals in Unternehmen, zwischen Abteilungen, zwischen Managern und natürlich auch auf operativer Ebene? Verantwortung wird abgeschoben, Schuldzuweisungen werden gemacht, Uneinsichtigkeit demonstriert. Und was das für Folgen für den tagtäglichen Umgang miteinander, für die Effizienz von zu erledigenden Aufgaben, für eine gesamte Unternehmenskultur haben kann, kennen wir oftmals aus eigener Erfahrung.

 

Bleiben wir beim Beispiel Nürburgring ohne dabei den Anspruch zu erheben, alle Details zu kennen. Eine Idee wird geboren, für grandios erklärt und auf der Basis der vorhandenen Macht, Gelder bereitgestellt und die Umsetzung beginnt. So weit so gut! Und das hört sich auch noch richtig unternehmerisch an. Dann: erste Zweifel tauchen auf, Diskussionen entstehen, Gegenrechnungen liegen vor. Jetzt bloß keine Blöße geben, es könnte ja sonst noch einer auf die Idee kommen, dass die Position nicht mit der richtigen Person besetzt ist. Festhalten ist die Parole! So lange, bis die Realität den Wunschgedanken einholt. Krisenmanagement ist angesagt. Löcher müssen gestopft werden! Und jetzt kommt es darauf an: Findet sich tatsächlich in den folgenden Prozessen jemand oder eine Institution, dem/der die Schuld in die Schuhe geschoben werden kann? Und JA! In diesem Fall ist es die Europäische Union, die zu langsam oder sogar negativ entscheidet. Der Schuldige für die Insolvenz ist ausgemacht! Gerettet! Zumindest der eigene Stuhl! – Und genauso ergeht es tausenden Unternehmen in unserem Land! Verantwortung wird abgeschoben, Schuld wird anderen zugewiesen und Uneinsichtigkeit wird demonstriert! Hauptsache, die eigene Haut wird – zumindest zeitweilig – gerettet!

Lustiger Weise können wir im Allgemeinen ein solches Verhalten erkennen, ja wir sind sogar bereit, dagegen zu wettern! Und wenn wir uns selbst eine ehrliche Antwort auf die Frage geben, wie wir uns in einer solchen Situation verhalten würden? Versuchen Sie es erst gar nicht, Sie wissen ja: Verantwortung, Schuldzuweisung, Uneinsichtigkeit ...

Wie eine solche Situation lösen, besser noch: verhindern? Wenn Sie sich selbst fragen, was Sie von Ihrem Chef erwarten, wenn er/sie eine Fehleinschätzung der Situation gemacht hat, dann nennen Sie wahrscheinlich Dinge wie: dazu stehen, es zugeben, Verantwortung dafür übernehmen, eventuelle Konsequenzen – auch eigene – akzeptieren.

Und Sie haben absolut recht! Genau darum geht es. Die Lösung ist eine Unternehmenskultur, die es zulässt, dass Fehler gemacht werden können und – und das ist genauso wichtig – Konsequenzen aus gemachten Fehlern gezogen werden, damit diese in Zukunft vermieden werden können. Also das lernende Unternehmen! Und was sind die Voraussetzungen für ein lernendes Unternehmen? Unternehmensleitlinien, Unternehmenswerte, die daraus abgeleiteten Unternehmensprinzipien und das Verhalten der in diesem Unternehmen Arbeitenden müssen unzweideutig klar sein, vorgelebt und eingefordert werden.

Und genau das ist es, was wir von unserem Führungspersonal in unserem Land, in unseren Unternehmen erwarten: dass sie die Verantwortung übernehmen, das vorzuleben, was sie von den Menschen um sie herum erwarten! Das ist kein einfacher Job, im Gegenteil. Dieses Verhalten verlangt ein großes Maß an Bewusstsein über die Folgen unseres eigenen Handelns.

Und noch eins: Wenn Sie jetzt denken, die da oben, genau die müssen darauf achten – dann sind Sie bereits in die Falle getappt, Verantwortung abzuschieben! Und Sie wissen ja, welche Folgen das im allgemeinen hat ... Was werden Sie persönlich also dafür tun, die Kultur in Ihrem privaten Umfeld, Ihrem Unternehmen, in Ihrem Land positiv mitzugestalten?

Zeigen Sie bewusste Verantwortung für die Dinge, die Sie sagen und tun, seien Sie einsichtig und akzeptieren Sie auch Kritik – es könnte zu Ihrem Vorteil sein, wenn Sie daraus neue Erkenntnisse ziehen.